Bipolare Kreativität: Ganz persönliche Einblicke

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Inspiriert durch meinen Kommentar gestern bei Christine Finkes Blogbeitrag „Kochen nach Gefühl: Osso buco„, habe ich mich spontan dazu entschlossen, bei Nicole Guggers Blogparade zum Thema Kreativität mitzumachen.

Menschen mit bipolarer Störung sagt man ja allgemein nach, dass sie sehr kreativ seien. Ich kann aus meiner Sicht nur sagen: Das stimmt! (Nur leider nicht immer.) Ich bin unglaublich kreativ, ich würde das als mein Leben bezeichnen. Ich entwickle ständig neue Ideen, starte neue Projekte und denke gleichzeitig noch über unzählige neue nach. Die Ergebnisse sind gut. Ich setze aus allem, was ich weiß, und meinen aktuellen Gedanken neue Dinge zusammen und finde auf jede Frage eine Antwort dabei. Ich schenke auch meinen Mitmenschen gern Ideen, die ihnen weiter helfen. Bei der Arbeit hilft mir das sehr weiter und Vorgesetzte schätzen mich für diese Eigenschaft.

Ich springe auf jeden Zug auf und mache etwas daraus. Mein eigener Gedankenzug fliegt nur so dahin. *bumm* Bis er plötzlich vor eine Mauer rast und alles zum Stillstand kommt. Da stehe ich nun, erschöpft, überarbeitet, mit einem Haufen angefangener Projekte, deren Sinn sich mir nicht mehr erschließen will. Damit aber niemand merkt, was mit mir passiert ist, kämpfe ich mich tapfer durch und zahle wieder den Preis für meine Kreativität. Der Preis wird in der Währung Energie, Lebenswille, Selbstzweifel und Selbsthass gezahlt. Am Ende kostet er dann das Leben selbst.

Ich bin nicht mehr bereit, den Preis für meine Kreativität zu zahlen. Manische Phasen haben ohne Zweifel ganz wunderbare Momente, aber eigentlich bin ich schon vor dem Ende am Ende. Zu viel Kreativität ist auch nicht gut, etwas weniger wäre besser.

Heute sieht meine Welt anders aus. Durch eine Behandlung mit Lithium bin ich viel stabiler und habe keine manischen Phasen mehr. Die Kreativität, die ich so geliebt habe, ist dabei zum Teil verloren gegangen. Auch ein Preis, den ich zahlen muss. Es ist aber doch noch genug übrig geblieben, um damit zu „spielen“. Ich kann immer noch tolle Projekte entwickeln – es ist jetzt aber eins oder vielleicht zwei und nicht mehr 20 auf einmal. Ich nehme meine verbleibende Kreativität nicht mehr als selbstverständlich hin. Ich freue mich darüber und genieße es. Ich kann viel besser mit ihr umgehen und sie nutzen, da ich nicht mehr auf manische Phasen angewiesen bin. Das hilft auch bei der Arbeit ;-).

Was auf jeden Fall geblieben ist, ist mein kreatives Kochen. Ich kann aus irgendwelchen Zutaten ein Gericht kochen, das schmeckt (ganz ohne Rezept). Oder ich koche etwas nur nach Beschreibung wie es riecht, wie es geschmeckt hat oder wie es aussieht. Rezepte nehme ich bestenfalls als grobe Leitlinie, die ich nach Belieben verändern und anpassen kann. Und dabei kann man echt kreativ sein!

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Eine Antwort »

  1. Pingback: Blogparade “Kreativität für alle” | Nicole Gugger

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